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Oberstufe Gymnasium - Schülerin (17) schlecht in Englisch - wie Nachhilfe am besten gestalten?

Letzte Nachricht: 27. Februar um 18:24
23.02.21 um 13:09

Hallo  - entschuldigt bitte, dass ich hier so lang schreibe.

Es ist etwas, das mich sehr beschäftigt und eine neue Situation für mich ist. Ich gebe einer Oberstufenschülerin Nachhilfe und gestern war die erste Klausur, die wohl schlecht gelaufen ist. Darum brauche ich mal pädagogische Hilfe und Strategieideen für die Nachhilfe und für eine richtige Lernstrategie. Ich brauche jetzt Ideen, was ich am besten mit ihr machen kann, wie ich das angehen kann, dass sie Freude an der Sprache und an den Themen findet und das sie gerne und gut englischen Aufsätze schreibt. Eine Klausur gibt es in diesem Schulhalbjahr noch. Die MUSS gut werden.

Die Tochter einer guten Freundin ist schlecht in Englisch - sie hat 3 Punkte auf dem Zeugnis, die letzte Klausur war 4 Punkte und mündlich beteiligt sie sich nie, weil sie Angst hat zu sprechen. Sie geht in die Gymnasiale Oberstufe (G8), soll nächstes Jahr Abitur machen und schafft es nicht, sich konzentriert hinzusetzen und Aufgaben zu lösen, und lässt die Online-Präsenzstunde an sich immer vorbeiziehen, in der Hoffnung nicht dranzukommen. Und sagt immer, ihre Lehrerin wäre so unfair und so streng. 

Ich habe das Gefühl, dass sie nicht gut alleine lernen kann und jemanden braucht, der sie an die Hand nimmt. Obwohl gerade 17 geworden, ist sie noch sehr kindlich, sehr unselbständig, fleissig ohne mitzudenken und hat eine geringe Frustrationstoleranz und keinen richtigen Ehrgeiz (so meine kleine Persönlichkeitsanalyse - ich kenne sie ja aber nun auch schon seit 17 Jahren...).

Seit drei Wochen gebe ich ihr nun Nachhilfe, die darin besteht, zusammen ihre Hausaufgaben zu machen, Texte zu lesen, zu sprechen (sie hatte grosse Angst zu sprechen, das hat sie jetzt etwas überwunden...) und sie auf das behandelte Thema (etwas geschichtliches) auf Englisch vorzubereiten, damit sie dieses Thema auch diskutieren kann. 

Nun schreibt sie ihre Klausuren anscheinend immer sehr unkonzentriert und beruft sich dann auf Prüfungspanik (ich denke, sie hat Panik, weil sie das alles nicht kann). Die vorletzte Klausur war am Thema vorbei und die aktuelle Klausur (gestern) ist sie schon etwas besser angegangen, aber ist nun davon überzeugt, dass sie einen Teil der Aufgabenstellung gar nicht gelesen und somit am Thema vorbei geschrieben hat. Klausurgegenstand waren ein Summary and ein Comment.

Ich hatte also ein heulendes und in Panik schluchzendes Mädchen am Telefon, die nie wieder Englisch machen möchte und mit der Welt vollkommen fertig war.

Da ich keine Lehrerin bin und wenig mit Schule zu tun habe, weiss ich nicht, wie gut Schüler sein müssen. Das geschichtliche Wissen ist, wie ich finde, oberflächlich. Für das Schreiben der Aufsätze (Comment, Discussion, Textanalyse etc.) bekommen sie viel vorgegeben, das die Schüler einfach nur noch einmal durchlesen und ein bisschen üben müssen. Eigentlich gar nicht so schwer, wie ich finde. Jedoch verstehe ich es, dass es jemandem in einer Fremdsprache schwer fällt - sie hat ja noch nie im Ausland gelebt und musste noch nie sich auf Englisch durchschlagen. Da ist Diskutieren und Aufsatzschreiben ja noch mal eine Extraherausforderung.

Was ich mit dem Mädchen nun in den letzten drei Wochen gemacht habe, war:

- Sprechen üben, damit die Komplexe wg. Aussprache weggehen und sie nicht mehr von vornherein sagt, dass sie das alles gar nicht kann und Englisch so unmöglich ist und die Lehrerin viel zu streng (hat sogar geklappt, nach zwei Wochen konnte sie drauflos plappern und hat sich nicht mehr über ihre fiese Lehrerin beschwert)

- Fachwissen zum Thema (Sklaverei in USA) auf Englisch und sicherheitshalber auch auf Deutsch besprechen, damit sie ein Fachwissen hat, mit dem sie einfach jonglieren kann und sie Sicherheit bekommt und sich nicht in oberflächliche Allgemeinpositionen wie "Sklaverei ist schlecht." verliert und ihre Standpunkte begründen kann. Das hat auch gut geklappt, wir hatten gute Gespräche und das Thema schien für sie auch interessant zu sein. 

- wir haben die Formulierungsvorgaben durch gesehen, die von der Lehrerin vorgegeben wurden, und Beispielsätze gebildet

- ich habe ihr Strategien vermittelt, wie sie sich selber beruhigen kann, während der Klausur (wie sie am besten Notizen macht; was sie als erstes macht, wenn sie die Fragestellung liest; was in Einleitung und Schluss gehört, dass ein Schluss immer wichtig ist und immer hingeschrieben werden muss etc.) Das hat sie anscheinend gestern auch angewandt ... jedoch hat sie die Aufgabenstellung überlesen oder nicht gelesen und einfach ein selbstausgedachtes Thema besprochen. 

Mein Eindruck übrigens ist, dass sie gar viel nicht kann, dass sie zwar fleissig ist, aber nicht mitdenkt und sie Aufsatzschreiben gar nicht kann und keine Freude hat, über Themen zu sprechen und zu diskutieren. Das möchte ich gerne ändern, denn sie tut mir sehr leid und ich finde, Bildung kann auch Spass machen und dass es toll ist, wenn man etwas weiss. Das möchte ich ihr gerne vermitteln.

Ich habe ihr nun angeboten, dass wir nun einfach weiter machen und aus den Fehlern der Klausur gestern eine Lehre ziehen und jetzt Klausurschreiben üben:

Ich stelle mir vor, dass wir nun folgendes machen -  quasi Prüfungsbedingungen jede Wochen einen Aufsatz unter Zeitdruck schreiben. Da alles über Zoom stattfindet muss (ich wohne nicht in der selben Stadt), denke ich, dass sie nun jeden Freitag 18:00-18:45 eine Aufsatzaufgabe live vor der Kamera alleine lösen soll. Ich schaue ihr dabei zu, helfe aber nicht und sie kann dann auch nicht schummeln, weil ich sie im Video überwachen kann. Also eine Prüfungssituation wird regelmässig nachgespielt. Das Ergebnis soll sie mir dann kurz auf Englisch vortragen, frei zusammengefasst, quasi ein kleines Referat.

Wenn wir das nun wirklich wöchentlich so machen, muss das dann doch für die nächste Klausur reichen, und sie hat dann eine gewisse Routine sowohl für das Thema (Fachwissen), als auch für Schreiben und frei auf Englisch sprechen. So meine Idee.  

Zusätzlich werden wir dann zusammen die Hausaufgaben machen, damit sie weiterhin gut am Ball bleibt - also noch eine oder zwei Stunden am Samstag (sonntags muss sie immer die Englischhausaufgaben abschicken).

Habt Ihr andere Ideen, was man mit ihr machen kann? Oder ist das zuviel für eine Schülerin?

Ich mein, wenn sie mal an die Uni gehen wollte, sehe ich bei ihrer jetzigen Leistung und Leistungsfähigkeit echt schwarz. Ich wüsste nicht, wie sie studieren könnte, bei dem was sie jetzt kann und bei ihrer aktuellen Unfähigkeit, sich selber zu strukturieren. 

 

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27.02.21 um 15:50

Hat keiner eine Idee, wie man am besten die Nachhilfe für Oberstufe English gestalten kann? Hat jemand Erfahrungen sowohl als Schüler denn auch als Nachhilfelehrer?


Ich habe sie jetzt einen Summary schreiben lassen und Fragen beantworten lassen... eine Simmulationsklausur die eine Schulstunde dauerte. Sie war nervös und hat den Summary schlecht geschrieben (zu detailreich und zu wenig Zusammenfassung zu wenig die Form beachtet, Fehler in der Sprache, zu oft falsch im Wörterbuch nachgeguckt, etc.).

Wir sind danach dann zusammen diese "Klausur" durchgegangen und haben sie besprochen. 

Mein Ziel ist, dass sie lernt, wie man schreibt und Freude daran hat. 

Es ist also noch viel zu tun. 

Und das Gute ist, sie will es. Sie will es lernen, sie will daran arbeiten. Manko daran ist, dass sie fleissig ist, aber nicht genug mitdenkt-abstrahiert, sie versteht nicht, was das ganze soll und versucht so gut es geht die Aufgabe zu machen und eine Pflicht zu erfüllen. 

Ich vergleiche sie mit meinen gleichaltrigen Neffen und Nichten und finde einen grossen intellektuellen Unterschied. Kann man so etwas trainieren? Mir scheint, sie ist zulange damit allein gelassen worden und hat nie Zugang zu dieser Art des Lernens und Arbeitens erhalten. 

 

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27.02.21 um 17:19

Fremdsprachen sind ein Thema für sich.
Ich denke es ist wichtig viel zu hören und zu sprechen, um sich reinzufühlen.

Der Zeitdruck ist jetzt natürlich blöd.
Ich hab Sprache früher auch nie als solche erfasst. Man hat halt Vokabeln gelernt und das so gut ausgefüllt, wie möglich.
So kompliziert ist es bei mir bei Englisch nie geworden, ich habs in der 12. Klasse abgewählt.

Ich kann aber mal von französisch erzählen.
Ich hab mich so schwer getan. Lesen und schreiben der Übungen war kein Problem, es gab ja Regeln zum auswendig lernen. Aber sprechen war sehr schwer (Klar, ich konnte mir die Antwort in Ruhe zurecht legen und mich dann melden und den Satz quasi vor dem inneren Auge "ablesen" Verstanden hab ich eh nix, wenn ich was auf französisch gehört habe.
Ich hab mich trotzdem mit einer 2 durchgewurschtelt.

Jetzt, gute 15 Jahre später, hab ich beschlossen, franzözisch zu lernen. Ich hab mir ein Programm bestellt und viele Sätze und Ausdrücke im Internet angehört.
Und ich fühle mich jetzt in die Sprache ein. Mittlerweile kann ich es besser verstehen (ich hab erst angefangen) und für mich sehr positiv ist, dass ich nicht nur die wenigen Lektionen in der Schule habe, wo die Lehrerin ein paar Sätze sagt und man mal ne kurze Szene in der Sprache hört. Ich kann das jetzt so oft laufen lassen, bis ich die Wörter richtig raushöre, fast mitsprechen kann, um mit der Grammatik vertrauert zu werden.

Vor dem Sprechen hatte ich früher auch Angst. Ich glaube, dass das vielen so geht.
Aber die scheint sie ja zu überwinden.

Möglich wäre, vielleicht bekannte Filme auf Englisch zu gucken (ich gucke mit meinen Kindern z.B. peppa pig auf Englisch, man kann ja aber auch jede DVD aus dem Regel nehmen) um einfach natürlicher in die Sprache einzutauchen.
Das sture Pauken scheint ihr nichts zu bringen.

Ich habe selbst früher aus Interesse englischsprachige Lieder übersetzt. Mitsingen hilft auch zu festigen und als ich dann mal in die Verlegenheit kam, mit einer Britin zu sprechen, fiel es mir nicht schwer zu sagen, was ich sagen wollte.

Vielleicht findest du eine englisch-sprachige Doku über die Sklaverei oä? Einfach die Sache realitätsnäher machen.

Und halt hören, hören, hören und sprechen, sprechen, sprechen.

LG

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27.02.21 um 18:24

also Verstehen und Sprechen  geht - wir sprechen viel auf Englisch und ich finde da wurschtelt sie sich gut durch. Ich bin nur besorgt, wg des Aufsatzschreibens. Da fehlt es eindeutig. Die Grammatik und die Vokabeln hat sie alle irgndwie drin, ist natürlich unsicher weil sie sich für ihren Akzent schämt oder allgemein unsicher ist. Aber ich finde sich macht sich da recht gut. Ich zeige ich ja auch, wie sie besser hören kann . Innerhalb kürzester Zeit hat sie angefangen zu sprechen ohne sich zu beschweren und wir haben gute Gespräche. Da ich absolut fliessend bin, kann ich gut mit ihr sprechen und sie animieren. 

Dagegen bin ich besorgt, dass sie das mit den Aufsätzen nicht hinbekommt. Ich zeige ihr schon, und das hat sie hoffentlich verstanden, dass es jetzt auf Fachwissen (also hier die us-amerikanische Geschichte) ankommt. 

Mein Tipp an sie ist,  dass wenn sie sich da sicher ist, Daten und Namen und Hauptgeschehnisse kennt, dann fühlt sie sich im allgemeinen beim gesamten Aufsatz besser. 

Nichtsdestotroz ist sie schlecht im Aufsatzschreiben. Die Zusammenfassung ist fast genausolang und detailreich wie der Originaltext, und sie kann nicht abstrahieren. Beispielsweise hat sie zu einer Autobiographie geschrieben, dass der Autor ein kleiner Junge wäre und zählt dann genau auf, was er alles gemacht hatte, als er ein kleiner Junge war ... und hat nicht geschafft zu sagen, "Der Autor schreibt in seiner Autobiographie über seine Kindheitserinnerungen ..." . 

Ich habe das Gefühl, dass sowas doch schon im Deutschunterricht in der 7. und 8. Klasse geübt wird und dann eigentlich sitzen sollte. Oder täusche ich mich da? Können die Schüler mit 17 Jahren das Abstrahieren und Zusammenfassen noch nicht?  

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