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Macht der Arbeitsmarkt uns alle zu Duckmäusern?

21. Mai 2003 um 19:36

Hi Mädels,

ich muss hier mal Dampf ablassen!!!

Ich arbeite in einem mittelständischen Unternehmen. Für meinen Job bringe ich gute Qualifikationen und viel Power mit.

Leider habe ich mich noch nie gut mit meinem Chef verstanden (die Chemie stimmt einfach überhaupt nicht). Nun machen wir seit einiger Zeit Kurzarbeit, entlassen Leute ... also das volle Programm. Dagegen ist ja auch erst einmal nichts zu sagen, denn das dient schließlich dem Erhalt der übrigen Arbeitsplätze (ob das alle rechtzeitig und zielgerichtet passiert, zweifle ich zwar an. Aber lieber spät als nie ..)

Die Stimmung im Unternehmen ist geprägt von der Angst davor, dass man selbst zu denen gehört, die entlassen werden. Denn man kennt das ja: Wenn betriebsbedingt gekündigt wird, werden immer die nach Hause geschickt, die man schon immer mal loswerden wollte.
Und so ist die Firma voll von Duckmäusern - und ich gehöre mittlerweile auch dazu. Ich habe mich so oft mit meinem Chef angelegt, dass unser Klima total versaut ist. Und so passe ich mich nun immer mehr an, sage immer weniger, was ich denke...

Und gehe daran so langsam echt kaputt. Ich habe einen Job, bei dem ich viele unternehmensweite Projekte vertreten muss. Und ich stehe einfach nicht mehr hinter dem, was ich da als "meine Projektergebnisse" verkaufen muss. Ganz ehrlich - mir ist das zum Teil total peinlich vor meinen Kollegen. Wer halbwegs klar denken kann, muss sich ständig fragen, was ich denn für einen Mega-Quatsch verzapfe.
Und zu allem Überfluss mobbt mich mein Chef. SUPER!!

Ich habe natürlich angefangen, nach einem neuen Job zu suchen. Aber der Arbeitsmarkt sieht für mich ziemlich schlecht aus, weil es den Job, den ich suche, derzeit kaum gibt. Es hat auch schon lange, lange kein Headhunter mehr angerufen ....

Scheisse!! Ich plage mich mit Magenschmerzen, habe ständig Durchfall und Sonntags Morgens schon Horror davor, dass bald wieder Montag ist.

Ich weiß, es gibt genügend Leute, die auf der Straße stehen. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen, dass ich mich so "anstelle". Aber ich führe einen täglichen Kampf, denn ich verstelle mich jeden Tag 8 - 10 Stunden. Und das ist sooo zermürbend!!! Ich kenne mich bald selbst nicht mehr.

Kennt ihr sowas? Könnt ihr mir sagen, wie ich mir ein dickeres Fell zulegen kann?

Auf jeden Fall schon mal danke fürs Lesen!!

Viele Grüße
Ronja

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22. Mai 2003 um 13:10

Kenn das auch!
hallo ronja!

als ich deinen beitrag gelesen haben, musste ich so an meine frühere arbeitsstelle denken. mir ging es ähnlich wie dir.
meine chefin war nur auf macht aus. sie wollte ständig ihr ding durchziehen. wir hatten zwar ein arbeitskonzept nach dem wir arbeiten sollten, mit dem ich sogar gut klar kam. nur unsere chefin, ist immer auf neue ideen gekommen wie sie uns das arbeiten schwieriger machen konnte. sie wollte nur ihre sachen durchziehen, damit sie gut da steht. aber von dem konzept war nichts mehr zu sehen. ich hatte das glück, dass ich mit einer kollegin zusammengearbeitet habe, die voll auf meiner wellenlänge war. wir haben uns sehr gut verstanden. und unsere teamarbeit war echt klasse. wir haben uns blind verstanden. wir haben unsere tür zu gemacht, und haben unser ding gemacht. unsere chefin hat nicht so oft nachkontrolliert, wie wir unsere arbeit erledigt haben. wir haben sie im glauben gelassen, dass wir nach "ihrem" konzept arbeiten. und vieles haben wir heimlich gemacht. ab und an haben wir ihr auch mal die meinung gesagt. gemeinsam waren wir halt stark.
bevor meine kollegin bei uns gearbeitet hat, ging es mir wie dir. magenprobleme, ich konnte den sonntag nicht genießen, und das ganze programm halt. sogar mein umfeld hat mir erzählt ich hätte mich geändert. ich war nicht mehr so fröhlich, und immer nachdenklich.
was ich dir eigentlich damit sagen will, gibt es bei dir vielleicht jemanden mit dem du dich "zusammentun" kannst? jemanden, der das betriebsklima kennt, mit dem du darüber sprechen kannst? ich hab die erfahrung gemacht, dass ich aussenstehenden wenig von meiner arbeit damals erzählt habe. ich brauchte jemanden zum reden, der zu der zeit das gleiche durchgemacht hat, wie ich. das hat mir sehr geholfen.
ich hoffe ich konnte dir ein kleines bisschen helfen.

liebe grüße
desti

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22. Mai 2003 um 16:14

Hi Ronja
Ich kenne solche Situationen.

Mein Ex-Chef ist auch so ein ....
Mir ging es genauso wie Dir.

Ich habe dann gekündigt und habe mich
Deutschlandweit beworben. Ich habe dann
in München einen JOb bekommen und bewerbe mich im Moment noch um einen neuen Job.

Ich würde Dir raten, Dich schnellst möglich nach einem anderen Job umzusehen und niemandem davon zu erzählen.

Wenn Du eine neue Stelle hast, kündige, denn die jetzige Situation wird dich sonst seelisch total fertig machen.

Es kann ja nicht sein, dass man selbst im Privatleben total panisch ist und nicht abschalten kann, nur weil man Angst hat auf die Arbeit zu gehen.

Der Arbeitsmarkt sieht zwar im Moment schlecht aus aber es gibt noch gute Jobs. Man muss zwar 60 oder 70 Bewerbungen schreiben anstatt 10, wie früher. Nur nicht aufgeben.

Also, schreib Bewerbungen und nicht von den ersten Absagen entmutigen lassen )

LG

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22. Mai 2003 um 17:57

Hallo Zaubermaus, hallo desti,
es tut schon mal gut zu hören, dass mir das nicht allein so geht.
Und natürlich freue ich mich, dass ihr beide offensichtlich den Absprung geschafft habt!!!! Ich habe manchmal schon Angst, das geht jetzt die nächsten 30 Jahre so weiter.

Ja, ich würde echt gern kündigen. Aber es stimmt wirklich, in meinem Bereich gibt es derzeit fast keine Stellen. Ein Headhunter, den ich angesprochen habe, sagte mir, er habe eine solche Stelle seit 2 Jahren (!!!) nirgendwo mehr gesehen.
Aber ihr habt Recht: Ich muss schnellstmöglich kündigen. Und dann mache ich halt was Anderes.

Danke für eure Aufmunterung und weiterhin viel Spaß im Job ,
Ronja

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23. Mai 2003 um 9:49

Aus der Seele gesprochen
Hi Ronja,

ich kann das sehr gut nachvollziehen. Wir haben das auch hinter uns (die Kündigungen), nun ist es so, dass die Verbleibenden für 2 arbeiten. Ich sitz also völlig überqualifiziert und unterbezahlt auf diesem 50-60 Std. Job.
Allerdings muss ich sagen, dass wir ein tolles Team sind, das Klima hat sich berappelt und mit meinen Vorgesetzen komme ich gut klar.
Dennoch würde ich gern was anderes machen. Der Frust ist schon groß, die Absagen, keine offenen Stellen etc.
Dennoch denke ich, es liegt an einem selber, sich nicht von der Situation beherrschen zu lassen. Im Grunde - so blöd das klingt - sitzen wir ja freiwillig auf diesem Job. Die Alternative arbeitslos ist nicht toll, dennoch ist es eine Alternative! Das muß man sich immer wieder klar machen: Wir tun dies freiwillig!
Mich befreit dieser Gedanke.
Und es ist "nur" ein Job! Ich habe versucht, meine Schwerpunkte zu verlagern: Aufs Privatleben, auf meine Hobbies, ich gönn mir ab und zu was.

Du findest was, sicher! Und wenn nicht in Deiner jetzigen Stadt, dann muss man sich überlegen, wir groß der Leidensdruck eigentlich ist und ob man nicht die Stadt verlassen würde.
Ich finde nur, wenn der Körper schon rebelliert, ist es höchste Zeit, etwas zu verändern!

Nur Mut!

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25. Mai 2003 um 16:37
In Antwort auf elbengel

Aus der Seele gesprochen
Hi Ronja,

ich kann das sehr gut nachvollziehen. Wir haben das auch hinter uns (die Kündigungen), nun ist es so, dass die Verbleibenden für 2 arbeiten. Ich sitz also völlig überqualifiziert und unterbezahlt auf diesem 50-60 Std. Job.
Allerdings muss ich sagen, dass wir ein tolles Team sind, das Klima hat sich berappelt und mit meinen Vorgesetzen komme ich gut klar.
Dennoch würde ich gern was anderes machen. Der Frust ist schon groß, die Absagen, keine offenen Stellen etc.
Dennoch denke ich, es liegt an einem selber, sich nicht von der Situation beherrschen zu lassen. Im Grunde - so blöd das klingt - sitzen wir ja freiwillig auf diesem Job. Die Alternative arbeitslos ist nicht toll, dennoch ist es eine Alternative! Das muß man sich immer wieder klar machen: Wir tun dies freiwillig!
Mich befreit dieser Gedanke.
Und es ist "nur" ein Job! Ich habe versucht, meine Schwerpunkte zu verlagern: Aufs Privatleben, auf meine Hobbies, ich gönn mir ab und zu was.

Du findest was, sicher! Und wenn nicht in Deiner jetzigen Stadt, dann muss man sich überlegen, wir groß der Leidensdruck eigentlich ist und ob man nicht die Stadt verlassen würde.
Ich finde nur, wenn der Körper schon rebelliert, ist es höchste Zeit, etwas zu verändern!

Nur Mut!

Hi Elbengel,
stimmt - ich bin absolut freiwillig da.

Und ich gönne mir etwas wirklich Neues: Ich mache Dienst nach Vorschrift. Ich lasse einfach Punkt 5 den Griffel fallen (bzw. in modernen Zeiten macht man/frau ja den PC aus . Und diese neu gewonnene zeitliche Freiheit genieße ich ungemein. Ich mache es wie du: Meine Prios haben sich einfach verlagert. Auf mehr Sport, mehr Zeit für Freunde ... (und - wie praktisch - mehr Zeit für den Haushalt . Das macht dann auch noch meinen Mann glücklich ).

Und es gibt auch immer mal Phasen, in denen ich mit der Situation klarkomme. Aber eben auch die anderen, in denen ich mir dann Luft machen muss.

Vielen Dank für deine Aufmunterung und weiterhin so gutes, ausgeglichenes Durchhaltevermögen!

Ronja

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