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Hier geht niemand auf die "Sonderschule"!

13.12.20 um 1:42

Dank meiner ach so schlimmen temperamentvollen Art und Weise geht der kleine Minh jetzt nicht auf die "Sonderschule".

Zur Story:
Minh ist der Sohn meiner Cousine. Er ist ihr erstes (lebendes) Kind. Im Alter von 3 Jahren begann man sich Sorgen zu machen, da er nicht richtig sprach. Er lallte vielmehr und bekam kaum einen Ton raus. Das Problem wurde nicht besser. Zusätzlich brauchte er bis 5 noch Windeln.

Da meine Cousine in Hessen wohnt, sind die sog. U-Untersuchungen für sie Pflicht. Jenen ist sie zum Schluss nicht nachgekommen.
Sie ist aufgrund ihrer psychischen Problematik nicht in der Lage alleine das Haus zu verlassen. Verschiedene Ängste seit sie ein Teenager ist. Daher hatte dies bis Corona immer ihre Mutter übernommen.

Sie hatten sich letztes Jahr ein Haus mit ihrem Bruder zusammen gemietet. Seit dem wurde auch die Sprachtherapie für Minh nicht fortgeführt und alles kam zum Stillstand. Als die Kinderärztin darauf drängte, dass sie endlich die U-Untersuchungen wahrnehmen sollte, kam sie auf die Idee, nochmal umziehen zu wollen, irgendwohin in eine kleine Stadt, die gerade groß genug war, um unterzutauchen. Wie immer wollte sie das Problem wohl einfach verdrängen.

Man munkelte immer mehr, dass Kind sei evtl. behindert. Vor allem da ich auch eine Behinderung habe, die vermutlich vererbt worden wäre. 
Zum einen bin ich genetisch zu weit auseinander. Er gehört nicht mehr zu meiner direkten Linie. Zum anderen habe ich einen Gentest wegen der Geschichte gemacht. Die Behauptungen bezüglich einer Erbkrankheit wurden daher auch widerlegt. Zumindest für mich.

Ich weiß nicht, was die Ärztin getan hat, aber als niemand dafür sorgte, dass das Kind schulfähig wurde, habe ich das Jugendamt angerufen und alles wie oben beschrieben geschildert. Der Plan war, dass meine Tante Angst bekommen sollte und sich notbehelf um da Kind kümmern sollte, damit es richtig sprechen lernt und seinen eigenen Willen äußern kann.

Wenn der Junge einmal in der Sonderschule rein gekommen wäre, wäre er da nur schwer wieder rauszubekommen. Zum einen hat er einen ausländischen Namen und eine etwas dunkle Hautfarbe. Vorurteile würden es hier nicht einfacher machen.
Zum anderen würde die Story mit der Erbkrankheit auch mit reinspielen.
Daher war es höchste Eisenbahn, dass jemand etwas tut.

Das der Junge nicht geistig behindert ist, habe ich von Anfang an gesehen. Wenn ein Kind alles verstehen kann, was es hört, dann ist es auch in der Lage dies geistig sprachlich umzusetzen. Das Problem konnte also nur organisch bedingt sein (Mund- und Zahnprobleme) oder eine emotionale Vernachlässigung sein.

Das Jugendamt meldete sich ca. 2 Monate später. Sie mussten erst die aktuelle Adresse herausfinden, die ich nicht wusste. Ich kannte nur die Adresse ihres Shops, den sie vor einiger Zeit führte. 
Da dort aber natürlich niemand mehr war, weil sie den Laden längst aufgegeben hatte, gab ich Ihnen die Adresse meiner Tante, wo sie auch zuerst hingingen. Meine Tante war, wie erwartet, total erschrocken und gab dem Jugendamt gezwungener Maßen die Adresse.
Meine Cousine und ihr Mann bekamen eine Verwarnung, wenn sie nicht zum Kinderarzt gehen würden, weitere Maßnahmen folgen würden.

Daraufhin ging meine Tante am festgelegten Termin mit meinem Urcousin hin. Die Sprachtherapie wurde woanders sehr schnell wieder aufgenommen. Zusätzlich nahm meine Tante den Jungen einige Zeit bei sich auf.

Heute die erfreuliche Wundermeldung. Das Kind spricht einwandfrei und ist für schulfähig befunden wurden. Ich vermute daher, dass er wohl auch keine Windeln mehr braucht. Wenn er eine normale Intelligenz hat, sollte er das schnell erlernt haben.


Warum schreibe ich das?

Es gibt viele Menschen, die nicht über den Tellerrand hinausdenken.
Es gibt vor allem viele Menschen, die Probleme schnell irgendwo in eine Ecke abschieben möchten und damit auch anderen, sogar ihren eigenen Kindern oder Geliebten erheblichen Schaden zufügen können.

Was wäre gewesen, wenn niemand diesem Teil meiner Familie in den Hintern getreten hätte?

Der Junge würde für den Rest seines Lebens schwere Konsequenzen zu tragen haben. Entweder wäre er für alle ein geistig Behinderter geblieben oder er wäre der Familie entrissen worden, wo man gar nicht mehr Einfluss nehmen konnte.
Sowas darf nicht sein.

Natürlich ist meine Tante hierfür nicht zuständig. Allerdings ist sie bereits altersbedingt in Rente und macht die Tätigkeit gerne. Sie ist noch fit.
Hier zählt in erster Linie erstmal nur das Kind.


Manchmal vergessen wir, dass aggressives Handeln ein Schutzmechanismus ist, der nicht immer schlecht sein muss.

Ich war noch nie der Typ, der aufgrund irgendwelcher emotionaler Aussagen ein Handeln befolgt hat ohne darüber nachzudenken.
Und wenn ich handele, dann raucht die Hütte. Egal, ob es euch emotional passt oder nicht.

Wenn ihr glaubt, dass ich einfach so bei einer Fehlbehandlung eines Kindes sondersgleichen einfach wegsehe, nur weil es meine eigene Familie ist, dann täuscht ihr euch.

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