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Vergewaltigung der Sprache in der wissenschaftlichen Literatur, oder Dissertationen.

28. September 2013 um 15:37

hallo liebe Freunde,

es gibt in der Literatur, vor allem in der wissenschaftlichen Literatur, die sich mit Sprache, Philosophie, Literatur und anderen Themen auseinanderseetzt, einen krassen Gegesatz zwischen gutem Schreibstil, einer verständlichen Sprache, und einer "aufgeblähten" Sprache voller Fremdwörter, ellenlagen Satzkonstruktionen.

Würde man die Aussagen umformulieren, und anstatt der Fremdwörter ersetzen, so würde man die Information viel schneller an den Leser transportieren können.

Ein Beispiel aus einer Dissertation:

"Die theoretischen Explikationen zur Inszenierung als anthropologisches Muster spiegeln genau die Thematik in den
Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull wieder."

1. Man Ersetze das Wort Explikation mit Auseinandersetzung

Der Satz wird sogleich viel verständlicher:

"Die theoretischen Auseinandersetzung zur Inszenierung als anthropologisches Muster spiegeln genau die Thematik in den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull wieder."

ich frage mich, wie viele Studenten,die sich mit wissenschaftlichen Büchern beschäftigen, manchmal das Kotzen kommt, weil die Herausgeber oder die Autoren ihre Texte dermaßen mit unnötigem Fachvokabular aufblähen, dass die Vermutung aufkommt, der Autor möchte künstlich die Bedeutung des Textes emporheben, obwohl die eigentliche Kernaussage in einer kürzeren Abhandlung und einfach verständlichen Sätzen möglich wäre - entscheiden sich viele Autoren, ihre Texte künstlich aufzublähen, und eine künstliche Komplexität erzeugen, die unnötig ist, um die eigentliche Aussage zu transporieren.

Ein Beispiel eines gut verständlichen Textes:

Ein Text von Prof. Erich Fromm (Psychoanalytiker)

"Die große Verheißung unbegrenzten Fortschritts die Aussicht
auf Unterwerfung der Natur und auf materiellen Überfluß,
auf das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl
und auf uneingeschränkte persönliche Freiheit das war es,
was die Hoffnung und die Zuversicht von Generationen seit
Beginn des Industriezeitalters aufrechterhielt. Zwar hatte die
menschliche Zivilisation mit der aktiven Beherrschung der
Natur durch den Menschen begonnen, aber dieser Herrschaft
waren bis zum Beginn des Industriezeitalters Grenzen gesetzt."

Viele Autoren oder andere Mitmenschen die uns umgeben geben sich sehr viel Mühe "intelligent und schlau" zu erscheinen, WARUM und aus welchen Gründen wird nicht auf die Aufgeblähte Sprache verzichtet, um die Verständlichkeit beim Leser zu erhöhen? Ich habe den Eindruck dass es vielen Leuten im privaten Leben, als auch in der wissenschaftlichen Forschung und auf den Universtitäten mehr um den Schein (Form einer Aussage) geht als um das Sein (also den Kern einer Aussage).

Ich finde es darüber hinaus einfach nur dumm, die Form von etwas stets aufblasen zu müssen, obwohl der Inhalt viel einfacher erklärbar wäre!

28. September 2013 um 15:40

Ergänzung
Ebenso gilt das für Vorträge, es gibt Menschen die können 1h land einen spannenden Vortrag halten, der in einer einfachen Sprache gestaltet ist, jedoch weitreichend ist und komplexe Zusammenhänge betrachtet, in dem jeder Satz an sich gehaltvoll ist.

Dann gibt es leute die halten ellenlange langweilige Vorträge gespickt mit Fachwörtern, aber eigentlich sagen sie nichts aus. Sondern reden um den heißen Brei herum.

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28. September 2013 um 15:52

Nachtrag
ich habe dazu einen sehr guten Beitrag gefunden:

http://www.wissenswerkstatt.net/2012/11/04/wissenschaftssprache-zwischen-verstaendlichkeit-und-fachterminologie/

Auszüge:

"Kein Zweifel: Es gibt Wissenschaftler, die ihre dürftigen Erkenntnisse durch allerlei sprachliche Pirouetten und jede Menge Fachterminologie kaschieren. Aber sind die akademischen Phrasendrescher, die zwar jede Menge Text, aber wenig Inhalte produzieren wirklich die Regel? "

Wissenschaftler und Studenten benutzen gerne Fremdwörter und bauen Schachtelsätze. Sie wollen gelehrt klingen. Oft haben sie aber nur Angst davor, verstanden zu werden.

Insofern richten sich wissenschaftliche Texte auch nicht an die Allgemeinheit, sondern primär an Spezialisten, und diese entscheiden dann auch über Verständlichkeit und Relevanz für die Forschung.

"Fachterminologie dient der Markierung von Zugehörigkeiten: wer die Texte versteht, gehört zur Familie."

ODER

"Besonders häufig stehen die Sozial- und Geisteswissenschaften in der Kritik. Disziplinen wie die Soziologie könnten kaum mit substantiellen Erkenntnisse aufwarten und müßten zwangsweise durch die Produktion von Fachbegriffen und nichtssagenden Worthülsen beeindrucken. Die aufgeblähte, tendenziell hermetische Sprache sei in Wirklichkeit nur akademisches Imponiergehabe."

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