Home / Forum / Schule & Studium / So nach dem Motto: "Guten Tag, ich bin ein Versager, stellen Sie mich trotzdem ein?"

So nach dem Motto: "Guten Tag, ich bin ein Versager, stellen Sie mich trotzdem ein?"

22. Juli 2014 um 12:58

Ich bin wohl voraussichtlich im September mit meinem Studium fertig. Ich habe Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte auf Magister studiert. Die ersten werden jetzt schon die Finger zücken um zu Tippen Taxifahrer, Arbeitslos etc.- mir ist klar, dass es nicht das lukrativste Studium war, dass ich gewählt habe.

Dazu kommt leider (und auch jetzt spitzen sicher wieder einige die Ohren, die sich schon auf lauter Beschimpfungen vorbereiten), dass ich wirklich sehr lange studiert habe. Seit 2004. Ich habe das Studienfach gewechselt und hatte leider durchweg ziemliche psychische Probleme (Achtung: Jammerlappen, Selbstmitleids, Versager Alarm). Ich habe zwar nebenher gearbeitet und hatte auch ein paar Projekte, die zumindest einigermaßen würdig sind, im Lebenslauf aufzutauchen, aber Praktika waren keine dabei. Das ganze Studium- obwohl es zugegebenermaßen nicht allzu schwer war, war ein Kampf für mich (und ich behaupte nicht, dass es für irgendjemand anderes leichter ist, und ich die arme arme psychisch labile bin- ist mir schon klar, dass es für keinen ein Zuckerschlecken ist).

Ich weiß, dass das erste, was einem dazu einfällt ist selbst schuld glaubst du wirklich du hast mit 30 noch eine Chance? Wer nimmt dich denn? usw. Aber genau diese Sachen sind mir alle klar, habe ich zuhauf gelesen und, braucht mir keiner auch noch in mein Hirn zu prügeln. Das Mitleid oder die unbeholfene Art die jemand auf die Antwort auf die Frage nach dem Studienfach preis gibt, habe ich im Laufe meines Studiums so wahnsinnig oft erlebt, dass sich wohl auch in diesem Text mehrfach niederschlägt, dass ich Rechtfertigungen und Erklärungsversuche gewohnt bin, und ständig das Gefühl habe, mich für irgendwas schämen und/oder entschuldigen zu müssen.

Das trotzdem- und das liegt wohl in der Natur eines Forums ganz ganz gemeine böse Zungen kommen, habe ich wohl nicht anders verdient und kritikbereit bin ich durchaus....versuche es zu sein....ich hoffe nur, dass irgendwer da draußen mir trotzdem vielleicht ein paar Tipps geben kann bzw. Beispiele kennt, bei denen es Menschen trotz solch einem karrieremäßig unschönen Lebenslaufs irgendwie geschafft haben, einen Einstieg zu finden.

Wie kann man sich damit am besten verkaufen, was sind die absoluten no-gos in Vorstellngsgesprächen (ich höre es schon aus der Ferne rufen glaubst du im Ernst du bekommst ein Vorstellungsgespräch?), gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, die für einen Geisteswissenschaftler Sinn machen, um vielleicht in der Wirtschaft Fuß zu fassen?

Ich habe zum Glück sehr viel Rückhalt, sonst hätte ich schon länger aufgegeben, aber tolle Menschen schätzen mich, zu meinem großen Glück, als Mensch und nicht nur als Karriereversager, das nur am Rande. Ich bin kein Vollidiot und ich bin auch nicht vollkommen talentfrei....aber viel besser macht das sie Situation auch nicht.

Ach ja- dass ich natürlich den Arsch dann selbst hoch bekommen muss, und einem nichts einfach so in den Schoß fällt, ist mir selbstverständlich auch bewusst, auch, dass ich mit Jammern nichts erreiche- aber hier musste ich ja schließlich schildern, was da bei mir so Sache ist, und das geht gerade leider nur mit Jammern.

Danke an alle, die auch ohne Antwort diesen Text gelesen haben.

23. Juli 2014 um 12:08

Schade....
aber im Grunde auch eine Antwort

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17. November 2014 um 8:28

Hey!
ehrlich gesagt hab ich gehoofft, unter deinem Beitrag ein paar antworten zu finden ^^...ich bin zwar noch nicht fertig mit meinem studium, und auch noch nicht so alt, wie du, aber ich sehe das alles auch noch auf mich zukommen....(ich mache Sprachwissenschaften). dazu kommt, dass ich mich auch des öfteren erklären muss, und meine eltern auch nicht wirklich überzeugt davon sind. Nun machen sie druck, dass ich auf jedenfall nächstes Semester fertig werden soll, damit ich in der regelstudienzeit bleibe... wobei ich aber schon erahne, dass ich noch ein semester länger brauche....ich weiß auch, dass mein Studium weniger anspruchsvoll ist, als das eines Mathematikers, Biologen, etc. Aber eig müsste ich mich für mein Studium doch nicht schämen müssen, oder!? Und im Moment muss ich auch echt viel machen, und ich habe das Gefühl mir wird alles zuviel :/

Naja, eig konnte ich dir jetzt auch nicht weiter helfen , sorry, ich hab das nur gelesen und fühlte mich irgendwie auch angesprochen ^^
Hast du denn mittlerweile was gefunden? Wie wäre es denn mit einem Quereinstieg als Lehrerin?? würde mit deinem Fächern doch gut passen...

Ich wünsch dir alles Gute, LG

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24. Februar 2015 um 19:20

Antwort
Hey, bist du noch aktiv?

Du solltest dich wohl in erster Linie fragen, WO du dich bewerben willst und nicht so sehr über deine angeblichen Schwächen nachdenken. Wenn du ein für dich interessantes Jobangebot gelesen hast, kannst du ja schauen, inwiefern dich dein Studium (oder auch das Leben an sich) dafür qualifiziert hat.
Ich finde, du reitest zu sehr auf deinen Schwächen herum und stellst diese zu sehr in den Vordergrund.
Ich selbst habe auch 10 Jahre studiert (auch öfters gewechselt, öfters geext worden...auch wegen psychischer Probleme) und klar ist einem das irgendwie peinlich, aber ehrlich gesagt hat mich da nie jemand drauf angesprochen. Also von meinen Arbeitgebern, mein ich. Ich habs einfach in den Lebenslauf geschrieben und gut war. Letztlich habe ich ja meinen Abschluss geschafft und war zurecht stolz drauf (bist du ja sicher auch, wenn du schreibst, es war ein einziger Kampf für dich) und das kannst du auch sein und auch damit "angeben". Klar haben das andere viiiiiel früher geschafft (ich war auch die älteste in meinen Kursen), aber die hatten auch nicht meine/deine Probleme.
Jeder Mensch ist nun mal individuell und dass du nach 10 Jahren doch noch deinen Abschluss geschafft hast, spricht doch nur für dich Du hast Durchhaltevermögen und genug Biss, auch nach harten Zeiten etwas zu erreichen.

Auf keinen Fall solltest du in Vorstellungsgesprächen dein "Versagen" in den Vordergrund stellen. Wenn es zur Sprache kommt, beantworte ganz nüchtern, warum du so lange gebraucht hast.
Ansonsten hast du ja vermutlich auch jede Menge gelernt und das solltest du denen so richtig schön aufs Butterbrot schmieren

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27. März 2015 um 0:06

Großes Lob an Dich - Du hat einen Studienabschluss!
... und dafür drücke ich Dich erstmal (virtuell und unbekannterweise) gaaaaaanz doll!
Das bekommt nicht jede und jeder hin.
Viele Menschen haben gar kein Studienabschluß, viele noch nicht mal einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung.... jetzt mal echt....
Und Du bist fähig zur Selbsterkenntnis und zur Selbstkritik, wenn Du es hier auch ein bisschen übertreibst wie ich finde... oder?

Und wenn ich ehrlich bin: Ich weiß noch nicht mal was Du genau studiert hat weil ich keine Ahnung davon habe....

Konkret:
Meine Vorredner(innen) haben recht, wenn sie schreiben, dass Du zu viele negative Seiten nach außen kehrst - das machst Du hier um Deine Situations zu schildern und da ist es in Ordnung. Bei Bewerbungen aber ist das ganz klar falsch und schadet Dir nachhaltig.

Wenn Du noch immer keinen weiteren Weg für Dich gefunden hast lass doch mal Dein Studium revue passieren und denke mal an die Dinge, die Du gut kannst und die Dir spass machen/ gemacht haben...
Was haben Deine Prüfer / Lehrenden Dir denn geraten? Mit welchem Thema lief Deine Abschlussarbeit?
Was geben Deine Zeugnisse her? Hast zu zusätzliche Qualifikationen, z.B. Sprachzertifikate o.ä.?
Wie war das Verhältnis zu Deiner Hochschule und warum hast Du diese Fächer studiert? Willst Du dich vielleicht im akademischen Bereich weiterentwickeln .... ?
Das sind alles Fragen die sich mit Deiner Zukunft und Deinen Möglichkeiten beschäftigen.
Und der Ruf von GeisteswissenschaftlerInnen ist besser als Du denkst...

Wenn Du z.B. Sprachzertifikate gemacht hast bzw. mehr als zwei Sprachen fließend und sicher sprichst wüsste ich sogar, wo Du willkommen bist.
Da könnte ich mich vielleicht sogar für eine Einstellung von Dir stark machen...
Überleg einfach mal welche Wechsel Du durchmachen möchtet. Und dieses Forum hier ist leider keine Jobbörse...oder?

Ich kenne Personen, die schlimmer dastehen als Du und inzwischen durchaus ordentlich verdienen.

Grüße,

Silvia

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27. März 2015 um 0:09
In Antwort auf milkakuhlila

Antwort
Hey, bist du noch aktiv?

Du solltest dich wohl in erster Linie fragen, WO du dich bewerben willst und nicht so sehr über deine angeblichen Schwächen nachdenken. Wenn du ein für dich interessantes Jobangebot gelesen hast, kannst du ja schauen, inwiefern dich dein Studium (oder auch das Leben an sich) dafür qualifiziert hat.
Ich finde, du reitest zu sehr auf deinen Schwächen herum und stellst diese zu sehr in den Vordergrund.
Ich selbst habe auch 10 Jahre studiert (auch öfters gewechselt, öfters geext worden...auch wegen psychischer Probleme) und klar ist einem das irgendwie peinlich, aber ehrlich gesagt hat mich da nie jemand drauf angesprochen. Also von meinen Arbeitgebern, mein ich. Ich habs einfach in den Lebenslauf geschrieben und gut war. Letztlich habe ich ja meinen Abschluss geschafft und war zurecht stolz drauf (bist du ja sicher auch, wenn du schreibst, es war ein einziger Kampf für dich) und das kannst du auch sein und auch damit "angeben". Klar haben das andere viiiiiel früher geschafft (ich war auch die älteste in meinen Kursen), aber die hatten auch nicht meine/deine Probleme.
Jeder Mensch ist nun mal individuell und dass du nach 10 Jahren doch noch deinen Abschluss geschafft hast, spricht doch nur für dich Du hast Durchhaltevermögen und genug Biss, auch nach harten Zeiten etwas zu erreichen.

Auf keinen Fall solltest du in Vorstellungsgesprächen dein "Versagen" in den Vordergrund stellen. Wenn es zur Sprache kommt, beantworte ganz nüchtern, warum du so lange gebraucht hast.
Ansonsten hast du ja vermutlich auch jede Menge gelernt und das solltest du denen so richtig schön aufs Butterbrot schmieren

Du bringst es auf den Punkt
Denn die Bewerbung ist ja auch eine Selbstdarstellung...

Silvy

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