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Probleme mit meinem Studium...

21. Januar 2007 um 17:16

Hallo allerseits,

hab mich dazu entschlossen, hier mal im Forum mein Herz auszuschütten, weil ich mittlerweile echt total mit meinen Nerven am Ende bin.

Wird sicher ein halber Roman, aber es würde mich trotzdem freuen, wenns jemand lesen würde

Aaalso... Ich studier Molekularbiologie, hab das Bachelor-Studium abgeschlossen und arbeite jetzt an meiner Magisterarbeit - und das mittlerweile seit eineinhalb Jahren. Es geht darum, daß ich meine praktische Arbeit im Labor erledige (gentechnische Experimente mit Mikroorganismen usw.), und ich brauch natürlich Ergebnisse, um die Arbeit schreiben zu können.

Tja - bis jetzt hab ich so gut wie keine (positiven) Ergebnisse - alles was ich bis jetzt gemacht habe, hat so nicht funktioniert. Ich kann nur sagen, ich hab meine Arbeit immer nach bestem Gewissen gemacht. Hab am Anfang auch einige Monate verloren, weil mein Betreuer bei der Planung der Experimente einige Fehler seinerseits übersehen hat und auch einige Fehler, die ich gemacht habe (und damals hatte ich noch nicht so die großartige Erfahrung) übersehen hat.
Das fällt natürlich alles auf mich zurück, und unser Institutsvorstand denkt natürlich auch, daß ich sozusagen alles falsch mach... wobei man bei diesen Experimenten teilweise jahrelang dran arbeitet, damit überhaupt mal was hinhaut. Ich hab wirklich schon sehr viel Zeit in meine Magisterarbeit investiert, nur wird mir immer wieder das Gefühl vermittelt, daß es nicht genug ist, was ich mache. Gut, ich war im letzten Frühjahr oftmals längere Zeit nicht da, aber da konnte ich nix dafür (Krankheit etc.).

Jetzt verbring ich im Schnitt so sieben Stunden am Tag dort im Labor (ohne Bezahlung), was ich eigentlich für viel Zeit halte. Hab meinem Betreuer und dem Institutschef auch schon gesagt, daß ich eigentlich nicht mehr Zeit investieren kann, da ich mir auch irgendwie nebenbei meinen Lebensunterhalt verdienen muß... das versteht aber anscheinend niemand! Wobei es bei uns ja auch Diplomanden gibt, die bezahlt werden - wovon es abhängt, ob man bezahlt wird oder nicht, weiß niemand so recht.

Das wirklich Schlimme ist, daß es auf diesem Institut wirklich sehr an Menschlichkeit mangelt - es zählt nur Forschung, Forschung, Forschung... vor ein paar Wochen hab ich erst erfahren, daß ein Mädel, das auch dort arbeitet und plötzlich nicht mehr da war, wegen der Arbeit mehrere Nervenzusammenbrüche hatte und längere Zeit im Krankenhaus verbracht hat. Daß es Leute gibt, die eine Familie und ein Privatleben haben, verstehen dort die wenigsten... Arbeit ok, Forschung ok, aber es muß doch alles seine Grenzen haben, oder?

Nun ja, mir ist mittlerweile klargeworden, daß mein Studium eigentlich komplett die falsche Wahl war... ich bin keine Forscherin...ich möchte es jetzt aber auch nicht hinschmeißen, da ich es ja doch hoffentlich bald abschließen werde.
Aber ich bin mit meinen Nerven am Ende. Ich hab Schlafstörungen, bin ständig nervös, und die Abstände zwischen meinen Einbrüchen, wo ich plötzlich einfach nicht mehr kann und stundenlang nur weine, werden immer kürzer. Ich hab Angst um meine Gesundheit, weiß aber, daß ich mir jetzt keine Pause nehmen kann - denn danach ist es bestimmt noch schlimmer, mich aufzuraffen und weiterzumachen.

Ich weiß echt nicht mehr, was ich tun soll, denn ich hab auch schon versucht, mit meinem Betreuer zu reden und ihm meine Lage klarzumachen, aber der versteht das überhaupt nicht. Für ihn ist seine Arbeit sein Leben - da gibts nix anderes, keine anderen Menschen, nix. Ich rede auch oft mit meinem Freund drüber, natürlich gehts mir dann kurzzeitig besser und ich bin froh, daß ich drüber reden kann - aber helfen kann er mir dabei auch nicht.

Ich weiß nur leider auch nicht mehr, wie ich mir selber helfen soll. Ich versuch jeden Tag, mein Bestes zu geben und jedem Tag etwas Positives abzugewinnen, aber so richtig funktioniert meine Strategie auch nicht... weil ich merke, daß es mir jeden Tag schlechter geht. Über eine Therapie hab ich natürlich schon nachgedacht, aber ich hab schon Therapieerfahrung, und ich denke eigentlich nicht, daß mir Reden allein in diesem Fall noch hilft.

Dazu kommt noch meine riesengroße Angst vor der Zukunft - ich weiß inzwischen, daß ich auf keinen Fall in diesem Bereich arbeiten will. Ich brauch nach dem Studium auf jeden Fall was anderes... würde total gerne im Bereich Marketing oder Eventmanagement arbeiten. Tja, aber wer braucht da schon ne Molekularbiologin? Hab zwar nen Handelsakademie-Abschluß mit Schwerpunkt Marketing, aber das ist auch schon ein paar Jährchen her... ich hab einfach Angst.
Ich würd mir so sehr wünschen, mich wieder einmal frei und leicht fühlen zu können - hab das Gefühl, von meinen Sorgen erdrückt zu werden. Und so sehr ich mich auch anstrenge, an mir zu arbeiten - ich hab das Gefühl, völlig hilflos zu sein und mich selber nicht mehr zu kennen.
Ist es jemandem von euch schon mal ähnlich gegangen? Würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen... oder ein paar Tipps, wie man aus so einem Schlamassel rauskommt oder besser damit umgeht!

Danke, Lg Winni

13. März 2007 um 11:56

Standortwechsel ?
ist zwar ein ungeheurer aufwand, aber hast du schonmal einen standortwechsel in erwägung gezogen, oder kannst die die magisterarbeit nicht in irgendeinem privaten unternehmen erledigen ? (kenne mich da leider nicht soo gut aus)

Das Wissenschaftler Workaholics sind ist ja nicht neues , aber dass sie bei 7 Stunden täglich mehr verlangen grenzt für mich schon deutlich an Mobbing. Studium abbrechen ist denke ich mal der falsche Weg, vllt. macht es dir z.Zt. keinen Spass mehr, da du diesen Leistungsdruck hast, und dich die Materie sozusagen Tag und NAcht begleitet, das turnt natuerlich ab. WEnn du den HandelsAbschluss hast wirst du sicherlich keine Probleme haben eine entsprechende Stelle zu bekommen, "MolekularBiologin" macht sich immer gut, egal in welchen Beruf .#

Nimm dir notfalls ein Urlaubssemester oder lass dich krankschreiben, wenn eine MitStudentin da schon zusammengebrochen ist, dann sollten dort einigen Leuten die Äuglein aufgehen wenn du dich krank meldest aufgrund des hohen Leistungsdruckes (außer denken du wärest auch zu "schwach").

Ehrlichgesagt kann ich das von den Verantwortlichen nicht nachvollziehen wie man mit Menschen so umgehen kann, elitärer Forschungsdrang hin oder her, aber das ist eben kein Freischein um Sklavenähnliche Anforderungen zu stellen.

Wenn du die Möglichkeit hast, nimm dir eine Auszeit, rede vllt. mit dem Chef vom Chef oder sowas, oder mit dem Dekan, wenn er in der RIchtung was zu sagen hat, die sind meistens recht human

Wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg und Kopf hoch

lg
chillum

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22. März 2007 um 20:04

Also
wenn ich dich so lese, dann fallen mir deine ständigen Beteuerungen gravierend auf. Alle anderen sind an Allem schuld, nur du nicht, denn dafür hast du ja immer eine Ausrede parat.
Du solltest wirklich mal beginnen über dein Leben - vor allem aber über dein Studium und die damit verbundenen Aufgaben - zu reflektieren. Es kann nicht sein, daß immer nur andere Schuld haben, nur du nicht. Irgendwo muss bei dir die Krux liegen. Somit frage ich dich, was du vom Forum erwartest. Mitleid, was sowieso keiner mit dir hat? Ein Studium ist nun mal kein Zuckerschlecken und das Leben ist hart.
Somit gebe ich dir den Rat, füge dich in deine Situation und denke mal darüber nach, ob es nicht wirklich an dir selber liegt, daß alles schief läuft.

Grüßle
Web-Scout
der Allesfinder

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17. April 2007 um 22:20

Chackaaaaa!
Hallo!
Hoffe, deine Situation hat sich mittlerweile ein bißchen entspannt. Kenne mich in deinem Themengebiet nicht aus, aber kannst du aus deinen Ergebnissen (weil eben nicht erfolgreich) einen Negativ-Schluss ziehen, so nach dem Motto 'warum der derzeitige Stand der Forschung keine Antwort auf was weiß ich gibt' oder bezogen auf eine Methode, warum genau die ungeeignet ist o.ä.? Vielleicht ist es ja möglich, den Titel deiner Arbeit entsprechend um einen Nebensatz zu ergänzen und damit den Schwerpunkt etwas zu variieren?
Was die Zukunft betrifft, wie wäre es denn mit irgendweiner lehrenden Tätigkeit, Erwachsenenbildung, Unternehmensberatungen?
Ich kann dir nur raten die Zähne weiter zusammenzubeißen, stand auch mal kurz davor mein Studium abzubrechen, aber das wäre für mein Ego so gar nicht gut gewesen. Habe übrigens an der Uni auch schon Sprüche wie 'Studenten sollten 70Std. ins Studium investieren, jegliche Nebenjobs sind ja nur für's neueste Handy...'Da kommt Freude auf! Gegen die Freiheit der Lehrenden kommt man sowieso nicht an. Am besten du hast bei jedem Termin einen konkreten Vorschlag, der deinen Betreuern möglichst wenig Arbeit macht.
Wünsch' dir alles Gute!

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