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Dyskalkulie bei 16jähriger. Lehrer reagiert sehr hart

9. Juli 2017 um 18:37

Guten Abend,

meine Nichte leidet an diagnostizierter Dyskalkilie.
Demensprechend sind ihre Noten. Zudem ist sie ein sehr stiller Mensch der eher unsicher ist.
Der Lehrer hat ihr nun in einem sehr hartem Ton gesagt, er werde sie durchfallen lassen (nur sechsen geschrieben) und sie solle am besten die Schule wechseln/verlassen.
Somit wäre sein Problem gelöst aber leider nicht das meiner Nichte.

Dienstag haben wir erneut ein gespräch - diesmal mit Mutter und mir. Meine Schwester ist nervlich extrem am Boden. Frische Trennung, arge Geldsorgen, Kind erwähnte Suizid (war eine Schnellschussässerung).

Wir leben in Bayern, Dyskalkulie ist nicht anerkannt. 
Sie wurde allerdings wie bereits diagnostiziert.

Mein eigentliches Anliegen:

Ich bin da jetzt die Besonnenere.
Wer hat wirklich gute Argumente für mich dem Lehrer gegenüber?
Er wird sie nicht kommenkommen lassen - warum auch?

Lehrer sind eh schon mit dem Alltag überfordert - aber wie kann ich ihm noch mal mit auf den Weg geben, dass solche Äusserungen einem jungen Menschen so gar nicht helfen?

Das ist so als würde man einem Stotterer sagen "jetzt sprich doch mal deutlich, so schwer ist das doch gar nicht!"

Ich empfinde es fast als Schickane dem Kind gegenüber und habe das Gefühl das er seine Macht sehr ausnutzt.

Ach, was soll ich Dienstag nur tun???

24. Juli 2017 um 9:41

Der Termin ist zwar schon um, aber vielleicht hilft es trotzdem:

Ich würde versuchen klar zu stellen, dass deiner Nichte das Problem ja selber bekannt ist und da etwas feinfühliger geredet werden sollte.

Immerhin ist so eine Info, selbst wenn sie zu erwarten war, für viele ein Schock.

Auf welche Schule geht sie denn und wie sieht es in den anderen Fächern aus?
Wie stark ist die Dyskalkulie ausgeprägt?
Würde eine spezielle Therapie evtl. helfen?
In welcher Klasse ist sie? Wie alt?

Ich selber leide an Legasthenie, wenn ich mich stark anstrenge geht es, da ich eben eine Therapie hatte. Doch wenn ich in Stress gerate, mir jemand die ganze Zeit auf die Finger guckt oder es mir nicht gut geht, dann endet das im totalen Chaos...
Man sollte dazu sagen, dass ich bis zur 5. Klasse quasi gar nicht lesen konnte (Worte mit Übung vorlesen schon, aber den Sinn nicht aufnehmen beim Lesen) und auch sehr schrecht in der Rechtschreibung war, zum Teil mehr Fehler als Wörter im geübten Diktat. (ungeübte noch viel schlimmer). Das viel nur erst in der 4. Klasse so langesam auf mit dem Lesen, da ich sehr interelligant war und beim Vorlesen beispielsweise einfach alles auswendig gelernt habe (Freundin hat es mir vorgelesen und wenn man das übt kann man sich das schnell merken, Grundschultexte sind ja weder lang noch kompliziert).
Auf der Realschule fiel das ganze Ausmaß dann auf, als ich "vorgelesen" habe, aber auf der falschen Seite war, da sie vom Schriftbild und den Absätzen ähnlich aussah.

Ich selber hatte auch sehr unterschiedliche Lehrer. Das belastet einen zum Teil sehr, auch wenn man den Grund kennt...

Meine Grundschullehrerin wollte es nicht wahrhaben und hat gemeint, ich sei einfach dumm und man würde nur Ausreden suchen (habe Ende der Woche meine Entlassung vom Bachelor-Studium!). Zudem wollte sie nie einsehen, dass Deutsch Probleme auch in anderen Fächern Probleme machen wie z.B. in Mathe bei Textaufgaben.

Zudem hat sie mir immer vorgeworfen einfach faul zu sein, angeblich die Übungsdiktate nicht zu üben, wenn ich dann irgendwann wegen teilweise sogar Beleidigungen die Arbeit verweigert habe war es natürlich noch schlimmer usw.
Damals wurde meinen Eltern direkt vor mir bei der Zeugnisbesprechung gesagt ich sei einfach ein dummes Kind, sie sollten sich freuen wenn ich die Hauptschule schaffe (ich hätte ja nur ganz knapp eine Realschulempfehlung) und nicht zur Sonderschule muss und sie einfach alle Hoffnungen in meine älteren Schwestern stecken sollten. Das war wie ein Schlag ins Gesicht und meine Eltern waren denkbar sauer...
Trotz Empöhrung meiner Eltern und sogar Einschaltung der Schulleitung keinerlei Einsehen. Meine Therapeutin hat später angeboten in der Grundschule, sogar kostenlos, die Lehrer mal einen Tag zu dem Thema Legasthenie und Dyskalkulie zu schulen, das wurde ablehent! Sowohl von der Lehrerin, als auch der Schulleitung.

Die Realschule hingegen war da total offfen, hat das Angebot dankend angenommen und versucht einem das Leben zu vereinfachen. Ich wollte nie eine Sonderbehandlung wie ausgesetzte Noten, aber so banale Sachen wie beim Diktat oder anderen Arbeiten in allen Fächern wirklich für Ruhe sorgen, haben mir schon sehr geholfen. Dazu kam dann ja die Therapie, wodurch es sich langsam besserte.

Ebenso war die Schule in den Fachkonferenzen sehr offen, es wurde mal überlegt als Deutscharbeit einen falsch geschriebenen Text zu geben und man muss ihn korrigieren. Da meinte meine Mutter direkt, alles von der Schule müsse richtig geschrieben sein, da ich als Legastheniker da eh keine Fehler finde und es mir schlimmstenfalls noch falsch merke. Daran hatten die Deutschlehrer gar nicht gedacht und waren froh über den Einwand. Ich war ja nicht die einzige mit Rechtschreibproblemen, sowas kann unsichere Leute ohne Legasthenie ja auch verwirren.

Du kannst gerne von meinem Fall berichten, wenn es irgendwie hilft oder da Pralellen ziehen.

Hat sich denn da schon was ergeben?
 

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24. Juli 2017 um 9:41

Der Termin ist zwar schon um, aber vielleicht hilft es trotzdem:

Ich würde versuchen klar zu stellen, dass deiner Nichte das Problem ja selber bekannt ist und da etwas feinfühliger geredet werden sollte.

Immerhin ist so eine Info, selbst wenn sie zu erwarten war, für viele ein Schock.

Auf welche Schule geht sie denn und wie sieht es in den anderen Fächern aus?
Wie stark ist die Dyskalkulie ausgeprägt?
Würde eine spezielle Therapie evtl. helfen?
In welcher Klasse ist sie? Wie alt?

Ich selber leide an Legasthenie, wenn ich mich stark anstrenge geht es, da ich eben eine Therapie hatte. Doch wenn ich in Stress gerate, mir jemand die ganze Zeit auf die Finger guckt oder es mir nicht gut geht, dann endet das im totalen Chaos...
Man sollte dazu sagen, dass ich bis zur 5. Klasse quasi gar nicht lesen konnte (Worte mit Übung vorlesen schon, aber den Sinn nicht aufnehmen beim Lesen) und auch sehr schrecht in der Rechtschreibung war, zum Teil mehr Fehler als Wörter im geübten Diktat. (ungeübte noch viel schlimmer). Das viel nur erst in der 4. Klasse so langesam auf mit dem Lesen, da ich sehr interelligant war und beim Vorlesen beispielsweise einfach alles auswendig gelernt habe (Freundin hat es mir vorgelesen und wenn man das übt kann man sich das schnell merken, Grundschultexte sind ja weder lang noch kompliziert).
Auf der Realschule fiel das ganze Ausmaß dann auf, als ich "vorgelesen" habe, aber auf der falschen Seite war, da sie vom Schriftbild und den Absätzen ähnlich aussah.

Ich selber hatte auch sehr unterschiedliche Lehrer. Das belastet einen zum Teil sehr, auch wenn man den Grund kennt...

Meine Grundschullehrerin wollte es nicht wahrhaben und hat gemeint, ich sei einfach dumm und man würde nur Ausreden suchen (habe Ende der Woche meine Entlassung vom Bachelor-Studium!). Zudem wollte sie nie einsehen, dass Deutsch Probleme auch in anderen Fächern Probleme machen wie z.B. in Mathe bei Textaufgaben.

Zudem hat sie mir immer vorgeworfen einfach faul zu sein, angeblich die Übungsdiktate nicht zu üben, wenn ich dann irgendwann wegen teilweise sogar Beleidigungen die Arbeit verweigert habe war es natürlich noch schlimmer usw.
Damals wurde meinen Eltern direkt vor mir bei der Zeugnisbesprechung gesagt ich sei einfach ein dummes Kind, sie sollten sich freuen wenn ich die Hauptschule schaffe (ich hätte ja nur ganz knapp eine Realschulempfehlung) und nicht zur Sonderschule muss und sie einfach alle Hoffnungen in meine älteren Schwestern stecken sollten. Das war wie ein Schlag ins Gesicht und meine Eltern waren denkbar sauer...
Trotz Empöhrung meiner Eltern und sogar Einschaltung der Schulleitung keinerlei Einsehen. Meine Therapeutin hat später angeboten in der Grundschule, sogar kostenlos, die Lehrer mal einen Tag zu dem Thema Legasthenie und Dyskalkulie zu schulen, das wurde ablehent! Sowohl von der Lehrerin, als auch der Schulleitung.

Die Realschule hingegen war da total offfen, hat das Angebot dankend angenommen und versucht einem das Leben zu vereinfachen. Ich wollte nie eine Sonderbehandlung wie ausgesetzte Noten, aber so banale Sachen wie beim Diktat oder anderen Arbeiten in allen Fächern wirklich für Ruhe sorgen, haben mir schon sehr geholfen. Dazu kam dann ja die Therapie, wodurch es sich langsam besserte.

Ebenso war die Schule in den Fachkonferenzen sehr offen, es wurde mal überlegt als Deutscharbeit einen falsch geschriebenen Text zu geben und man muss ihn korrigieren. Da meinte meine Mutter direkt, alles von der Schule müsse richtig geschrieben sein, da ich als Legastheniker da eh keine Fehler finde und es mir schlimmstenfalls noch falsch merke. Daran hatten die Deutschlehrer gar nicht gedacht und waren froh über den Einwand. Ich war ja nicht die einzige mit Rechtschreibproblemen, sowas kann unsichere Leute ohne Legasthenie ja auch verwirren.

Du kannst gerne von meinem Fall berichten, wenn es irgendwie hilft oder da Pralellen ziehen.

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